Ungebremste Selbstbewegungen Experimentelle Fotografie aus der späten DDR

Klaus Elle, Aschgraue Erinnerung an L., 1987, Fotografie, getönt auf Fotoleinen, Asche, Waschpulver, Kohle, Leim © Klaus Elle
Claus Bach, Tina Bara, Micha Brendel, Kurt Buchwald, Klaus Elle, Thomas Florschuetz, Else Gabriel, Klaus Hähner-Springmühl, Erich-Wolfgang Hartzsch, Frank Herrmann, York der Knoefel, Matthias Leupold, Werner Lieberknecht, Olaf Martens, Maix Mayer, Florian Merkel, Erhard Monden, A.R. Penck + Wolf Kahlen, Christoph Sandig, Cornelia Schleime, Götz Schlötke, Erasmus Schröter, Andreas Seliger, Gabriele Stötzer
Mit ihrer ideologischen, dominant marxistischen Prägung wurde Weltanschauung in der DDR in erster Linie auf die physische Welt orientiert. Interesse an der metaphysischen Welt galt als „bürgerlich“, gestrig, nicht-progressiv. Seit Ende der 1970er Jahre opponierten freilich mehr und mehr Intellektuelle und Kreative gegen die ideologischen Scheuklappen, gegen die Begrenzungen von „Welt“ und gegen das Vorenthalten von Texten, Wissen, Kenntnissen und Denkmöglichkeiten. Weil die DDR so eng war, ging es bei allen Veränderungen um Befreiung, Selbst-Erweiterung und Grenzüberschreitung.
Im Verbund von Künstler*innen verschiedener Disziplinen entwickelten sich in den 1980er Jahren Strömungen einer „andere Fotografie der DDR“, einer „Fotografie von unten“, die gebunden war an subkulturelle Entwicklungen einer Kunst mit Fotografie, die nicht zuletzt vielfach Veröffentlichung fand in privat produzierten Foto-Mappen und halblegalen Zeitschriften.
Die DDR-Fotografie ist reich an Strömungen und seltsamen Individuen. In den letzten Jahren sind im Ausstellungsgeschehen in Deutschland zunehmend gewichtige Positionen neu entdeckt und umfangreich präsentiert worden. Nach wie vor sind Fotograf*innen aus dem Spektrum der nicht-staatstragenden Kunst und dort insbesondere Vertreter*innen einer Haltung, die „Kunst mit Fotografie“ verbindet, im öffentlichen Bewusstsein eher seltener vertreten. Wir haben es in ihrer Kunst mit ästhetischen Perspektiven zu tun, die sich vom üblichen Kontext der Fotografie in der DDR grundsätzlich dadurch unterscheiden, dass sie nicht z.B. journalistisch dokumentarisch auf eine abgebildete Wirklichkeit verweisen, sondern die eigenen Rahmenbedingungen reflektieren. Sie definieren sich über die Idee und nicht über die äußere Form.
Das Konzept der Ausstellung wird von Christoph Tannert als externem Kurator erarbeitetet.
Die Ausstellung sowie der flankierende Katalog werden vom BLMK produziert und im Anschluss an die Präsentation im Dieselkraftwerk Cottbus auf Reisen geschickt. U.a. wird die Ausstellung Ende des Jahres in der Stadtgalerie Kiel (12.12.26 – 20.2.27) gezeigt.

