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30.8. – 15.11.26 | Cottbus | CB Dieselkraftwerk

Der grelle Schein der Ränder Jonathas de Andrade und Werke aus der Sammlung des BLMK

Die Ausstellung verknüpft zwei Videoinstallationen des brasilianischen Künstlers Jonathas de Andrade mit Fotografie, Grafik und Malerei aus der Sammlung des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst.
Jonathas de Andrade, O Caseiro (The Housekeeper), 2016 © Jonathas de Andrade

Jonathas de Andrade, O Caseiro (The Housekeeper), 2016 © Jonathas de Andrade

 

Veranstaltungsort

Dieselkraftwerk
Uferstraße/Am Amtsteich 15
03046 Cottbus Deutschland
Telefon:
Tel: +49 355 4949 4040
Öffnungszeiten:

dienstags bis sonntags
11 bis 19 Uhr

Sonder­öffnungs­­zeiten an Feier­tagen
Eintrittspreise

Jonathas de Andrade mit Walter Ballhause, Pol Cassel, Erhard Hippold, Carl Lohse, Sepp Mahler, Oskar Nerlinger, Albert Renger-Patzsch, Alexander Rodtschenko, Hans Schulze, Fritz Tröger

 

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Zwei Videoarbeiten des brasilianischen Künstlers Jonathas de Andrade (geb. 1982, lebt und arbeitet in Recife) bilden den Kulminationspunkt der Ausstellung. Ausgehend von de Andrades profundem Interesse an gesellschaftlichen Fragen wie beispielsweise den Sichtbarkeiten und Einschreibungen sozialer Hierarchien in öffentlichen Räumen oder Machtkonstruktionen durch ökonomische Systeme, Gemeinschaftsbildungen sowie historischen Entwicklungen sozio-politischer Gefüge, verknüpft die Ausstellung seine filmischen Arbeiten mit neu-sachlicher Malerei und Fotografie aus der Sammlung des BLMK. Jene Werke entstanden in den 1920er/30er Jahren, einer Zeit massiver politischer und wirtschaftlicher Krisen und Umbrüche. Sie stehen für Kunst, die explizit als ästhetischer Ausdruck engagiertem gesellschaftlichen Handelns begriffen wird. Denn jene künstlerischen Avantgarden entwickelten über kritische Blicke auf Alltagswirklichkeiten und spezifische, formale Gesten eine soziale Imagination zwischen Realitäten und Fiktion, die auf positiv konnotierte Utopien der Selbstermächtigung abzielten.

 

Die Ausstellung schlägt einen zeitlichen Bogen, der nicht nur Kunstwerke der Gegenwartsreflexion mit künstlerischen Blicken einer 100 Jahre zurückliegenden Vergangenheit verbindet. Vielmehr verweisen die verschiedenen Epochen und Werke auch auf wiederkehrende globale, gesellschaftliche und ökonomische Bedingungen einerseits, jedoch andererseits auch auf Gesten der Selbstermächtigung im Umgang mit jenen Konditionen menschlicher Existenz. Mit klaren filmischen Bildern, die auch immer das Verhältnis von Nähe und Distanz ausloten, rücken die präsentierten Videoarbeiten von Jonathas de Andrade soziale Debatten ins Zentrum.

 

O caseiro / The Housekeeper, 2016 (Video. 8 min, Loop)

Angelegt als Split Screen-Projektion entspinnt sich zwischen den beiden parallellaufenden Filmteilen eine Art von Dialog zwischen zwei Zeiten und Geschichten, die in ein und demselben Haus spielen. Auf der linken Leinwandhälfte wird Joaquim Pedro de Andrades Kurzfilm Mestre de Apipucos aus dem Jahr 1959 präsentiert. Kondensiert auf acht Minuten zeigt jener Dokumentarfilm einen Tag im Leben des brasilianischen Soziologen und Anthropologen Gilberto Freyre. Beginnend mit dem Aufwachen des Protagonisten begleitet ihn die Kamera beim Frühstück mit seiner Frau, beim Spaziergang durch den Garten sowie anderen Aktivitäten seines Alltags. Hierzu gehört auch die Interaktion mit dem Hauspersonal. Auf der rechten Leinwandhälfte fällt dem gegenwärtigen Hausverwalter des inzwischen zum Museum verwandelten Wohnhauses die Hauptrolle zu. Die Filmsequenzen zeigen seinen Alltag im Haus und dessen Garten im Jahr 2026. Die synchronisierten Schnitte zwischen den beiden Filmteilen stellen Parallelen her, die Kontraste von Klasse und Rasse hervorheben und die Auswirkungen der Zeit auf die Architektur sowie auf Freyres Ideen und die historische Figur selbst sichtbar machen.

 

Voyeurístico / Voyeuristic, 2018 (Video, 4:24 min, Loop)

Präsentiert auf einem kleinformatigen Flachbildschirm, dessen Größe analog zu den um 1920 entstandenen Fotografien inmitten deren er hängt angelegt ist, eröffnet die ca. vierminütige Videoarbeit einen geradezu intimen (Ein)Blick in Geldbörsen, Handtaschen etc. Gefilmt mit einer Handykamera in den Straßen von Recife zeigt der Film, dessen Handlung in langsamen, geradezu sorgsam tastenden Bewegungen vollzogen wird, wie Menschen ihre Portemonnaies öffnen und deren Innenleben zeigen, ohne grenzüberschreitend die Details preiszugeben.

 

Eine gleichnamige, zeitgleich im Schloss Bad Muskau stattfindende Ausstellung stellt Videoinstallationen sowie skulpturale Werke von Jonathas de Andrade Fotografien der 1970er Jahre von Helga Paris aus der Sammlung des BLMK gegenüber.

 

Der grelle Schein der Ränder ist eine Kooperation zwischen dem Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst und dem Lausitz Festival sowie der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau.

Die Ausstellung wird kuratiert von Kobi Ben-Meir und Ulrike Kremeier

 

Kooperationspartner

 

 

Ermöglicht durch

 

 

 


 

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Two video works by Brazilian artist Jonathas de Andrade (b. 1982; lives and works in Recife) form the culmination of the exhibition. Drawing on de Andrade’s profound interest in societal issues—such as the visibility and inscription of social hierarchies in public spaces, power structures shaped by economic systems, the formation of communities, and the historical evolution of socio-political frameworks—the exhibition links his filmic works with New Objectivity painting and photography from the BLMK collection. These historical works originated in the 1920s and 1930s, a period marked by massive political and economic crises and upheavals. They represent art explicitly understood as an aesthetic expression of socially engaged action. Through a critical examination of everyday realities and specific formal gestures, these artistic avant-gardes developed a social imagination situated between reality and fiction—one that aimed for positively connoted utopias of self-empowerment.

 

The exhibition spans a timeline that connects contemporary artistic reflection with the perspectives of artists from a century ago. Moreover, these diverse eras and works point to recurring global, social, and economic conditions, while simultaneously highlighting gestures of self-empowerment in how we navigate these fundamental aspects of human existence. Through clear cinematic imagery that constantly explores the interplay between proximity and distance, the featured video works by Jonathas de Andrade place social debates at the forefront.

 

*O caseiro* / *The Housekeeper*, 2016 (Video, 8 min, loop)

Conceived as a split-screen projection, the work fosters a dialogue between the two parallel film segments—representing two different eras and narratives that unfold within the same house. Joaquim Pedro de Andrade’s 1959 short film *Mestre de Apipucos* is presented on the left half of the screen. Condensed into eight minutes, the documentary depicts a day in the life of the Brazilian sociologist and anthropologist Gilberto Freyre. Beginning with the protagonist waking up, the camera follows him as he has breakfast with his wife, strolls through the garden, and engages in other daily activities—including interactions with the household staff. The right half of the screen focuses on the current caretaker of the residence, which has since been converted into a museum; these sequences show his daily life in the house and garden in the year 2026. Synchronized cuts between the two film segments draw parallels that highlight contrasts of class and race, while revealing the impact of time on the architecture, on Freyre’s ideas, and on the historical figure himself.

 

*Voyeurístico* / *Voyeuristic*, 2018 (video, 4:24 min, loop)

Presented on a small-format flat screen—sized to match the photographs from the 1920s among which it hangs—this video work (lasting approximately four minutes) offers an almost intimate glimpse into wallets, handbags, and the like. Filmed with a mobile phone camera on the streets of Recife, the film unfolds through slow, almost carefully probing movements, showing people opening their wallets and revealing their contents without crossing boundaries by exposing specific details.

 

An exhibition of the same name, taking place concurrently at Bad Muskau Castle, juxtaposes video installations and sculptural works by Jonathas de Andrade with 1970s photographs by Helga Paris from the BLMK collection.

 

Der grelle Schein der Ränder (The Fierce Shine of the Edges) is a collaboration between the Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK), the Lausitz Festival, and the Stiftung Fürst Pückler Park Bad Muskau.

 

The exhibition is curated by Kobi Ben-Meir and Ulrike Kremeier

 

In cooperation with

Funded by

 

Veranstaltungsort

Dieselkraftwerk
Uferstraße/Am Amtsteich 15
03046 Cottbus Deutschland
Telefon:
Tel: +49 355 4949 4040
Öffnungszeiten:

dienstags bis sonntags
11 bis 19 Uhr

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